Alles aus der Tüte »Uni «
…könnte man es fast nennen. Ok, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber die Zeit seit Anfang Mai, als ich mit meiner BA-Arbeit angefangen habe, kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit. Und es war auch gewissermaßen ein Lebensabschnitt, da ich in diesen Monaten sehr viel, auch (oder vielleicht sogar vor allem) über mich selbst, gelernt habe. Deshalb halte ich den Begriff hier durchaus für angebracht.
Dies alles hat aber nun ein Ende. Gestern mittag um ca. 11Uhr20 Ortszeit habe ich meine geliebte verhasste niemals endende und nun doch vollendete BA-Arbeit in Begleitung von Änna (der ich an dieser Stelle für die seelische Unterstützung gestern danken möchte) ins Prüfungsamt gebracht. Eigentlich gab es auch ein Foto von diesem denkwürdigen Moment, welches ich aber in meiner gestrigen Unzurechnungsfähigkeit eine Stunde später aus versehen wieder gelöscht habe. Wie dem auch sei, nun ist es also weg, das gute Stück, und ich warte gespannt auf meine Note. Und bin froh (aber doch auch irgendwie fast ein klein wenig traurig) dass es vorbei ist.
Ach ja, das Kind hat natürlich auch einen Namen und dieser lautet:
of the Empowered Woman in The Devil Wears Prada
Falls es unter meinen treuen Lesern jemanden gibt, der/die meine bescheidenen ersten “akademischen” Gehversuche hier von Anfang an verfolgt hat und nun gerne einen Blick auf das Ergebnis werfen möchten, kann er/sie dies hier tun.
Ich danke für die seelische Unterstützung (gewissen Menschen ganz besonders!), für’s Mut machen, für’s meine Launen und Verzweiflungsanfälle ertragen, für’s über das “ich-hab-leider-schon-wieder-keine-Zeit” hinwegsehen und dafür dass ihr, jetzt wo ich wieder Zeit habe, immer noch da seid!*
Und entgegen aller meiner Erwartungen stelle ich überrascht fest: Ich habe es überlebt!
*grins*
* Außerdem muss ich natürlich ganz traditionsgemäß Gott und der Katze danken. Auch wenn die Königin dies hier vermutlich gar nicht liest.
Es ist gerade 5Uhr6 am Morgen, ich bin seit, ähm, 22 Stunden wach, habe die letzten, ähm, sieben oder so Stunden meine BA-Arbeit nochmal “durchgelesen” (oder so ähnlich), sie soeben ver-pdf-t und endlich, endlich an Dr. W geschickt. Past the point of no return sozusagen. Und ich fühle mich gerade ein wenig, wie soll ich sagen…ein bisschen zu leicht im Kopf, ein bisschen zu schwer in der Magengegend und mehr oder weniger betäubt im Rest meines Systems. Es gibt auch nicht wirklich einen Grund, dies zu bloggen, außer den dass hier zur Zeit sowieso der ganze Wahnsinn aus meinem Leben landet. Tja, irgendwo muss sogar ich meinen Gefühls-Sondermüll abladen. Und da ich mich dazu ja schlecht selbst anrufen kann, bleibt mir die Müllhalde, die manch andere dafür gefunden haben, leider verschlossen. Und wo heutzutage sowieso jeder seinen Müll im www ablädt ist das bisschen das ich dazu beitragen kann auch schon egal. Aber ich schweife ab. Eigentlich sollte ich auch langsam ins Bett gehen, aber ich glaube ich bin way beyond that point wo man normalerweise schlafen tut oder kann. Und ich stelle fest, durch die Gefühllosigkeit in meinem Körper drängen sich höllische Kopfschmerzen an mein Bewusstsein, vermischt mit einem leisen Hungergefühl. Und draußen bricht gerade ein neuer Tag an. Vielleicht ist er mir freundlich gesinnt und bringt weniger Albträume als die Nacht, der ich heute entflohen bin, es getan hätte…
Ich muss nach New York. Denn “Frauen-Power” rules in meiner Lieblingsstadt - zumindest laut meinem äußerst verlässlichen und *hust* seriösen täglichen Nachrichtenversorger GMX. Jipppie, “empowered women” in der Großstadt!
Womit sich der Kreis wieder schließt… 


Man quält sich morgens aus dem Bett, kratzt das bisschen Motivation zusammen das einem noch geblieben ist um sich aus der drohenden Depression heraus zu reißen, kämpft sich durch den Regen und ohne den (auf äußerst mysteriöse Weise plötzlich verschwundenen) Schirm (wo ist eigentlich Scully wenn man sie mal braucht?!) zur Uni und schleppt sich mit letzter Kraft in die Bibliothek, nur um dann festzustellen, dass sämtliche der (sowieso nur spärlich vorhandenen) Materialien für eine Hausarbeit (zu einem Thema, das man gegen seinen Willen aufgedrückt bekommen hat) nicht zugänglich bzw. nicht bestellbar sind, da gerade an diesem glorreichen Tag irgendwelche Rechnersysteme in der Uni gewartet werden. Und um das Leben noch ein bisschen schöner zu machen, trifft man auf dem Weg durch selbigen glorreichen Tag, nein, nicht eine, und auch nicht zwei, sondern gleich drei Personen die einem voller Stolz erzählen, dass sie morgen / übermorgen / wannauchimmer in den Urlaub fahren.
Womit wir wieder einmal bei der Erkenntnis des Tages angelangt wären:
Manche Tage könnte man sich auch einfach von vornherein sparen.
Der Teufel ist besiegt! Der Untergang abgewendet! Keine Sorge meine lieben Freunde, die Welt wird nicht ins Verderben stürzen!
Soeben habe ich Word überlistet, die bösen Fußnoten meinem Willen unterworfen und die Scherben meiner Existenz einzelnen Bestandteile meiner geliebten verhassten brillianten BA-Arbeit zusammengesetzt. Ein beinahe unbeschreibliches, intensiv flashendes und nahezu überwältigendes Gefühl. Was natürlich nicht heißen will, dass ich das gute Stück nicht noch mindestens zweimal komplett auseinandernehmen werde, wenn es erst mal von der lieben Feylamia und von Dr. W bekritisiert und befeedbackt wurde. Aber vorerst ist sie erst mal kurzzeitig vorläufig komplett, meine BA-Arbeit. Und ich werde jetzt noch ein bisschen glücklich und geflasht durch meine Wohnung hüpfen. Und dann sollte ich mich vielleicht einmal längst vergessenen Aktivitäten wie aufräumen, Wohnung putzen oder bügeln widmen. Oder mal zu Supermarkt gehen und mir dann was richtiges kochen. Hach…wäre es denn tatsächlich möglich, dass mein Leben noch existiert?
- Frisch gekochten Kaffee sollte man nicht mit einem Strohhalm trinken.
- Apfel brennt böse auf böse verbrannter Zunge.
- Word ist ein Werk des Teufels und wird die Welt ins Verderben stürzen.
- Fußnoten sind das bevorzugte Werkzeug des Teufels um die Welt ins Verderben zu stürzen.
- Personen, die im allgemeinen keinen Kaffee vertragen, sollten keinesfalls mehr als vier Tassen pro Tag zu sich nehmen.
Es ist offiziell! Ich habe meinen Bätscheler entgegen aller meiner Erwartungen doch verdient - und das auch noch so richtig!!!
Die berühmt-berüchtigte große Tragödie in zwei Akten mit dem sorgenumwobenen Titel Language Proficiency Test ist nun, nachdem sie sich in ein Suspense Play gewandelt hatte, das die Geduld aller Beteiligten zweieinhalb lange (lange, lange, lange) Wochen bis ins Unendliche gereizt hat, doch noch mit einem Häppi End über die Bühne gegangen.
Ich weiß nicht, ob es sich bei meinem Ergebnis um eine Verwechslung handelt, oder das Universum zur Abwechslung mal auf meiner Seite war und eingegriffen hat. Vielleicht lag es auch an meiner perfekten englischen Aussprache (*hust* *totlach*) oder daran, dass ich Ruthie und Frau S. mit meiner Kritik an The Secret/The Laws of Attraction doch einigermaßen gut 10 Minuten lang unterhalten konnte. (Unvergesslich - Frau S.: “Laws of attraction? Oh, I do know about that…” und dazu ein vornehmes irisches Grinsen von Ruthie.) Es wäre auch möglich, dass die (gefühlte) Katastrophe einer englischen Zusammenfassung des deutschen (Zeit?-) Artikels “Computer. Je mehr, umso dümmer.” über PISA und verdummende computerbenutzende deutsche Schüler einen gewissen Beitrag zu meiner Endnote geleistet hat. Eigentlich ist es sogar wahrscheinlich. Was ich daraus (mal wieder) lerne ist, dass das Leben um einiges leichter wäre wenn ich einfach mal in meine Arbeit vertrauen könnte anstatt mich direkt von vornherein und schon aus Prinzip fertig zu machen. Und dass mein Englisch doch ganz gut ist. Was eigentlich die schönste Lektion dabei ist. Ach Leute, wenn ihr sehen könntet, wie eure Bloggerin grade strahlt…
So. Das war also dieses. Nach einer endlosen Phase (und zweieinhalb Wochen sind endlos wenn man, in ständiger Erwartung des Ergebnisses, jede halbe Stunde seine Emails abruft!) des wartens, bangens, hoffens aber doch mehr verzweifelns, in der die Beteiligen die verschiedensten Methoden entwickelten, mit dem schweren Trauma umzugehen - als die beliebtesten Methoden stellten sich Resignation (”Was soll’s - dann darf ich halt im September nochmal!”) und Verdrängen bzw. Selbsttäuschung (”Wenn ich meine Emails nicht nachgucke kann ich auch nicht durchgefallen sein!” - ne, Änna?!
heraus - fällt nun der Vorhang (und dieser stilistische Selbstmord von Monstersatz ist endlich zu Ende). Und während der Vorhang sich langsam senkt, erblicken wir eine kleine Bielefelderin, die zu einer Melodie die nur in ihrem Kopf erklingt, überglücklich und mit dem größten Grinsen das ihre Gesichtsmuskeln seit Wochen vollbringen durfte, vor ihrem Computer auf und ab tanzt.
Und wir stellen ein weiteres mal fest: Es ist ja SOWAS von an der Zeit, dass dieses Semester ein Ende nimmt!
19Uhr20
Ach so und, ähm, ich möchte mich bei allen entschuldigen, die ich in den letzten zweieinhalb langen (langen, langen, langen) Wochen mit meinem Rumgeheule genervt habe. Also von wegen ich habs verbockt und bin durchgefallen und so. Sorry. Ich dachte wirklich ich hätt’s verbockt.
Es ist immer das gleiche. Ich denke, ich habe eine Idee, einen richtig gut durchdachten Gedanken. Dann unterhalte ich mich mit Dr. W darüber, und sie macht irgendeinen kleinen Kommentar, der zunächst zwar äußerst interessant klingt, sich aber mir im Zusammenhang mit meinem Gedanken nicht völlig erschließt. Also wird er zunächst registriert und zu den geistigen Akten gelegt. Wo er sich aber nicht davon abhalten lässt, ein bisschen rumzunagen. Und plötzlich - wie ich zu meiner Schande gestehen muss manchmal erst Tage später - stelle ich fest, dass dieser kleine Kommentar *baaam* nicht nur wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge zu meinem Gedanken passt sondern selbigen auch gleich nochmal um eine ganze Ecke weiter in richtung durchdacht befördert.
Diese Frau ist einfach brilliant. Und ich sitze nun hier vor den Textfetzen und -scherben des letzten Teils meiner gliebten verhassten niemals endenden BA-Arbeit und versuche meinen neu durchdachten Gedanken auf das virtuelle Papier zu bringen.
Und (ist es zu fassen?!) ES MACHT MIR SOGAR SPASS!!!
*grins*
23Uhr17:
Vergesst das mit dem Spaß. War mehr nen Flash. Jetzt wieder vorbei.
9Uhr27, tags darauf:
Und es mach doch Spaß. Ich bin ja so eine böhöööse Feministin. Würden meine FreitagsSchnitzelMänner jetzt bestimmt sagen. Wer weiß, vielleicht hätten sie ja sogar recht. Aber nur ein bisschen. *meinen allerbösesten böhöööse-Feministin-Blick aufsetz* *grins*
Ach ja. Lernen für eine Klausur wäre ja so viel angenehmer, wenn man einfach die ganzen lästigen geschichtlichen Fakten und den ganzen Kram weglassen könnte und sich stattdessen auf die kleinen, wunderschönen Werke konzentrieren könnte, die unter der ganzen Wissensflut begraben sind. Damit die kleinen, leisen Töne im großen Lernwahn nicht ganz in Vergessenheit geraten, gibt es heute, wie schon am Montag, nochmal ein großartiges Gedicht aus Irland.
She Weeps Over RahoonRain on Rahoon falls softly, softly falling,
Where my dark lover lies.
Sad is his voice that calls me, sadly calling,
At grey moonrise.Love, hear thou
How soft, how sad his voice is ever calling,
Ever unanswered, and the dark rain falling,
Then as now.Dark too our hearts, O love, shall lie and cold
As his sad heart has lain
Under the moongrey nettles, the black mould
And muttering rain.
…an den eigentlich eher öffentlichkeitsscheuen Daniel H. aus R., a.k.a. Hecko a.k.a. GoldenBoy, damit er sich zur Abwechslung mal direkt angesprochen fühlen darf


