Alles aus der Tüte »ein bisschen Poesie... «
Hui wie aufregend. Wir haben heute eine Gastautorin hier. Gewissermaßen. Und auch nicht irgendeine, naiheeen, sondern unsere allerliebste, wunderschön musizierende Waldelfe. Der Waldelfe neuestes Hobby sind nämlich Anagramme, und da sie auch schriftstellerisch sehr begabt ist, hab ich jetzt direkt - hihi - mein höchsteigenes Anagrammgedicht auf meinen Namen. Hihi.
Doch nun lasst uns lauschen den Worten die mir die Elfe schrob:
Ich habe Dich Anagrammisiert!
Was man aus Deinem Namen so alles basteln kann!
Ein Gruselgedicht geradezu.
Ich nenne esSusanne Hauner
Urahnen sausen.
Nasen ruhen aus.
Hasen aus Urnen,
Aussen an Uhren
Sahne nun Sauer.Knuddelwuuh von der Ehrenwerten hochwohlgeborenen
Alsdann Eishorn,
Sandalen ins Ohr.
Ich finde, das hat sie ganz bezaubernd gedichtet, die Frau Eishorn.
Na denn, Sandalen ins Ohr und husch ins Bettchen.
Hihihihihihihihi.
…kann keiner so schön und poetisch ein Liedchen singen wie Shakira. Und schon gar nicht ein trauriges Liebeslied. Wer Herzschmerz schiebt, möchte ja auch eigentlich eher weniger über Unrat am Boden und Ungeziefer im Haus informiert werden. Aber Shakira kann Gedichte an Pferde schreiben. Und deshalb dürfen bei ihr auch die Fliegen um den Hausmüll kreisen, während sie sich in Tränen ertränkt weil sie ihren Liebsten so vermisst. Völlig gerechtfertigt also, des Ungeziefers Existenz. Aber nur in diesem einen Fall. Und weil die Worte der Guten oh so wahr sind. Schnief.
Heute mal ein Gedicht. Hatten wir schon ganz lange nicht mehr. Und ist ja auch immer gut für’s Niveau, sowas. Also, ein Gedicht. Via Feylamia kommt es sozusagen. Die singt das nämlich mit ihren Pfadfindern. Für mich wollte sie es nicht singen. (Ja, ich schmolle ein wenig.) Aber zurück zum Gedicht. Eigentlich bin ich kein großer Fan der deutschen Dichtkunst, aber das hier spricht mich irgendwie an. Es könnte eventuell ganz entfernt etwas damit zu tun haben, dass sich in meinem neuen Leben hier zurzeit alles um das Tanzen dreht. Und gerade so beim Tanzen kann es ja durchaus mal passieren, dass ein bisschen Romantik aufkommt. Und von romantisch nach wehmütig ist es ja oft - gerade wenn man ein bisschen zur Melancholie neigt - nur ein kleiner Hops. Und, schwupps, landen wir genau hier:
Hyazinthen
Fern hallt Musik; doch hier ist stille Nacht,
Mit Schlummerduft anhauchen mich die Pflanzen:
Ich habe immer, immer dein Gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.Es hört nicht auf, es rast ohn Unterlaß;
Die Kerzen brennen und die Geigen schreien,
Es teilen und es schließen sich die Reihen,
Und alle glühen; aber du bist blaß.Und du mußt tanzen; fremde Arme schmeigen
Sich an dein Herz; o leide nicht Gewalt!
Ich seh dein weißes Kleid vorübersfliegen
Und deine leichte, zärtliche Gestalt. –Und süßer strömend quillt der Duft der Nacht
Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen.
Ich habe immer, immer dein Gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.von Theodor Storm
So, und wenn die Fey das nächste mal böse zu mir ist, bekommt ihr die Audiodatei von ihr beim Vorlesen! (Muahahahaha!)
…in den Aachener Himmel bietet sich dem Besucher in der Küche der Königin der Bekloppten. Ich will auch Shakespeare auf meinen Küchenfenster. Aber dazu bräuchte ich erst mal ein Fenster in der Küche. Aber das würde sowieso zur zum Keller der Nachbarn führen. Also muss ich wohl weiterhin die Königin besuchen, wenn ich Sehnsucht nach der guten alten Anglistikzeit bekomme…
…an denen einfach gar nichts geht. Nicht dass es nicht genug Arbeit zu tun gäbe. Doch der Geist weigert sich, ist lieber melancholisch, überlässt dem Herz die Regie, lauscht dem Regen und vergräbt sich Trost suchend in jahrhundertealter Poesie…
If you had
only stayed away
when I first missed you,
I might have forgotten
by now.
Ach ja. Lernen für eine Klausur wäre ja so viel angenehmer, wenn man einfach die ganzen lästigen geschichtlichen Fakten und den ganzen Kram weglassen könnte und sich stattdessen auf die kleinen, wunderschönen Werke konzentrieren könnte, die unter der ganzen Wissensflut begraben sind. Damit die kleinen, leisen Töne im großen Lernwahn nicht ganz in Vergessenheit geraten, gibt es heute, wie schon am Montag, nochmal ein großartiges Gedicht aus Irland.
She Weeps Over RahoonRain on Rahoon falls softly, softly falling,
Where my dark lover lies.
Sad is his voice that calls me, sadly calling,
At grey moonrise.Love, hear thou
How soft, how sad his voice is ever calling,
Ever unanswered, and the dark rain falling,
Then as now.Dark too our hearts, O love, shall lie and cold
As his sad heart has lain
Under the moongrey nettles, the black mould
And muttering rain.
…aber während einer langweiligen Klausurvorbereitung kann man durchaus über das eine oder andere Interessante stolpern.
Es ist zwar ein bisschen altmodisch und reimt sich zu allem Überfluss auch noch, aber trotzdem irgendwie schön, dieses Gedicht von Lady Gregory, geschrieben für/über ihren heimlichen Geliebten:
“If the past year were offered me again,
And the choice of good and ill before me set
Would I accept the pleasure with the pain
Or dare to wish that we had never met?
Ah! Could I bear those happy hours to miss
When love began, unthought of and unspoke -
That summer day when by a sudden kiss
We knew each other’s secret and awoke?”
…für die einsamen Abendstunden. Hier ist eine der schönsten Aussagen, die ich je in einem Songtext gehört habe:
All that I am
All that I ever was
Is here in your perfect eyes, they’re all I can see
*seufz*
…ist schon wieder vorbei. Ein blühender Kirschbaum ist für mich einer der schönsten Anblicke, die die Natur zu bieten hat. Jedes mal wenn ich einen sehe, möchte ich mich am liebsten darunter setzen und die Zeit anhalten, damit er niemals verblüht. Leider bin ich aber nicht Piper Halliwell, und deshalb bleibt mir nichts anderes übrig als traurig dabei zuzusehen, wie es überall weiße und rosa Blütenblätter von den Bäumen regnet. Das einzig gute an der Sache ist, dass der Sommer wieder ein Stückchen näher gerückt ist…

So ein Ereignis erfordert ja schon ein gewisses Maß an Poesie, und da ich dazu erfahrungsgemäß nicht so unbedingt geeignet bin (ich sag nur Haiku-Katastrophe), darf jetzt noch eine Dame zu Wort kommen, die das mit dem Dichten richtig gut drauf hat. (Naja, hatte. Ist schon über tausend Jahre alt, das Gedicht!)
No bone-chilling
autumn wind
could pierce me
like this spring storm
scattering blossoms.Izumi Shikibu



