Alles aus der Tüte »Arbeit «
Ein Beitrag aus der Reihe “Arbeit. Fast wie im richtigen Leben”.
Nachmittags halb zwei im Büro.
Kollege* [fragend in die Runde]: “Wie kann ich denn meinen Browserinhalt so weit verkleinern, dass ich einen Screenshot von meiner ganzen Seite machen kann?”
Susi sucht das Screengrab add-on für Firefox raus und emailt dem Kollegen den Link.
Kollege sagt “Danke”. Ignoriert den Vorschlag völlig. Fragt jeden in der Abteilung, wie er seinen Browserinhalt auf Bildschirmgröße verkleinern kann, damit er einen Screenshot machen kann. (Nebenbemerkung: Der zu verkleinernde Frame beinhaltet eine große Menge Text in Standardgröße und misst ca. drei Bildschirmlängen. Screenshot soll dem Kunden zum Korrekturlesen geschickt werden.)
Susi: Facepalm.
Chef schielt zu Susi rüber und lacht sich insgeheim kaputt.
Abteilung zuckt kollektiv mit den Schultern.
Kollege fragt Chef um Rat.
Chef [betont unbeteiligt]: “Nimm das Screengrab add-on für Firefox.”
Susi siegestanzt innerlich.
Kollege klickt sich in zunehmender Verwirrung durch seinen PC. “Ich hab aber kein Firefox.”
Susi: Facepalm².
Chef [mit Facepalm-Unterton] “Hmm. Installier Firefox?!”
Kollege zögert. Grummelt. Tut es.*Aus Rücksicht auf die Ehre des Kollegen werde ich nur mal in einer Fußnote nebenbei erwähnen, dass er Online-Redakteur ist.
So. Und da mach mich nochmal einer blöd an, wenn ich sage, dass Männer alle gleich sind und nicht auf Frauen hören können, obwohl Frauen sowieso immer Recht haben!
Das hier ist übrigens die Aussicht, die sich vor mir erstreckt, wenn ich abends nach der Arbeit vom Büro nach Hause gehe.
Und wenn mein Handy keine so grottenschlechte Kamera hätte, würdet ihr hinten neben dem London noch die Turmspitzenvon Big Ben und Westminster sehen.
Meine bildschöne Starbuckstasse ist nicht mehr.
Ja, ich meine die, genau die, die ich bei meinem letzten Frühstück in New York gekauft hab. Die, aus der ich seit März 2007 jeden Tag meinen Kaffee/Tee/Saft/wasauchimmer getrunken habe und dabei jeden Tag ein bisschen an meine zauberhafte Woche in New York gedacht habe. Die, die ich in meiner WG in Sheffield in meinem Zimmer aufbewahren musste, weil ich sie sonst dank meiner frühaufstehenden, Starbuckstassenklauenden Mitbewohnerin in dem ganzen Jahr nicht einmal in die Hände bekommen hätte.
Ja, jetzt ist sie nicht mehr, und ich kann noch nicht mal jemand anderem die Schuld dafür geben. Wobei, eigentlich ist Sonyas offenes Küchenregal schuld, und mein blödes Honigglas, das da plötzlich rausgesprungen kam und meine bildschöne Starbuckstasse in bildschöne Starbuckstassenstücke geschlagen hat. Das war übrigens im Sommer. Die letzten drei Monate hab ich meinen Kaffee/Tee/wasauchimmer dann aus meiner bildschönen, notdürftig zusammengeklebten und an allen Seiten tropfenden Starbuckstasse getrunken. Und gestern was ich es dann endgültig leid, immer Kaffee- und Teeringe überall wegzuwischen, und hab mir eine neue Starbuckstasse gekauft.

Das ist sie, die neue bildschöne-wenn-auch-nicht-ganz-so-bildschön-wie-die-alte-und-vor-allem-nicht-aus-New-York Starbuckstasse. Aber zumindest verteilt sie nicht Kaffee und Tee in der ganzen Wohnung.
Die alte steht jetzt auf dem Küchenfensterbrett und bewahrt Teebeutel auf. Die tropfen ja nicht.
Passend zum Starbuckstassenwandel gibt es auch noch eine weitere Veränderung. Am Montag fange ich nämlich meine neue Stelle an. Als Redaktionsassistentin bei einer Medienfirma in London. Digitale Medien sogar, aber Digitalemedienfirma klingt blöd auf deutsch. Auf alle Fälle hab ich eine feste Stelle ab Montag. Und eine unheimlich tolle noch dazu. Darauf trink ich doch direkt einen. Mocha aus meiner neuen bildschönen Starbuckstasse nämlich! ![]()


