Wenn ich schon mal in meinen alten Notizbüchern wühle, hier auch gleich noch ein paar Gedanken dazu.
Mit dem Schreiben ist das ja so eine Sache. Manchen fließen die Worte so natürlich aus der Hand und aus dem Geist, als hätten sie einen direkten Draht zur universellen Kreativität, so als wären sie ein riesiger Speicher voller Phantasie, oder ein Medium für die unendliche Vorstellungskraft die direkt von einer höheren Macht aus durch ihren Geist fließt. Ich habe das Glück, so einen Menschen zu kennen, und ihre Geschichten und Gedanken verwundern und verzaubern mich immer wieder auf’s neue.
Dann gibt es die Sorte schreibender Menschen, zu denen ich mich zeitweise auch gezählt habe, denen nur hier und da mal ein kleiner Gedanke im Geist aufkeimt, eine Idee die sich so zaghaft ins Bild schleicht, dass man kaum wagt, sie zu ergreifen - geschweige denn niederzuschreiben - weil das kleine bisschen Aumerksamkeit einer Bleistiftspitze alleine schon ausreichen kann, um sie für immer in die Flucht zu schlagen.
Und weil das nun mal so ist, habe ich nie viel geschrieben, noch seltener eine Aufzeichnung zuende gebracht, und so gut wie nie das Bedürfnis verspürt, etwas davon über die Grenzen meiner Notizbücher hinaus entkommen zu lassen.
Aber darum geht es eigentlich gar nicht. Denn egal, ob das Geschriebene vollständig ist, oder Sinn macht, oder auf irgendeine Weise vorzeigbar erscheint, es ist trotzdem unheimlich wertvoll.
Schon das kleinste Fragment, ein paar schnelle Zeilen, vor vielen Jahren dahingekritzelt mit einem schmierigem Kugelschreiber, können die Kraft haben, den Geruch in der Luft am Tag des Aufschreibens zurückzubringen, das Stillstehen der bedeutungslos gewordenen Zeit, die genauen Schattierungen der Wolken, die Richtung aus der das Licht durch die Blätter fällt. Und den Verlust, der ein so großes Loch hinterlassen hat, dass man sich nach all den Jahren immer noch nicht traut, es langsam wieder zu füllen. Alles das, ohne dass die Notiz auch nur eine einzige dieser Tatsachen in Worten festhält.
Und dann gibt es so Leute wie meinen lieben Papa, die der Ansicht sind, seine Gedanken in kleinen Büchern festzuhalten wäre eine absolute Zeitverschwendung.
Die Sache ist nur, hätte ich nicht an diesem einen Tag vor vielen Jahren ein paar schnelle Zeilen mit schmierigem Kugelschreiber in mein kleines Buch geschrieben, dann wäre dieser Tag, an den sich dank der Notiz jeder einzelne meiner Sinne erinnert, heute nicht viel mehr als ein, “da hab ich traurig aus dem Fenster geguckt”. Und vielleicht wäre noch nicht einmal das übrig geblieben.
Was will ich damit sagen?
Es geht gar nicht drum, ob man schreiben kannt, oder glaubt, schreiben zu können. Es geht nur um den Mut, einen Gedanken zu ergreifen und ihn festzuhalten, auch wenn er dabei vielleicht entkommen könnte. Es gibt schon einen gute Grund, warum mir das Schreiben so sehr fehlt.


[...] Zigeunerprinzessin spricht wahres: Die Sache ist nur, hätte ich nicht an diesem einen Tag vor vielen Jahren ein paar schnelle [...]