Eingetütet im 2010
Wenn ich schon mal in meinen alten Notizbüchern wühle, hier auch gleich noch ein paar Gedanken dazu.
Mit dem Schreiben ist das ja so eine Sache. Manchen fließen die Worte so natürlich aus der Hand und aus dem Geist, als hätten sie einen direkten Draht zur universellen Kreativität, so als wären sie ein riesiger Speicher voller Phantasie, oder ein Medium für die unendliche Vorstellungskraft die direkt von einer höheren Macht aus durch ihren Geist fließt. Ich habe das Glück, so einen Menschen zu kennen, und ihre Geschichten und Gedanken verwundern und verzaubern mich immer wieder auf’s neue.
Dann gibt es die Sorte schreibender Menschen, zu denen ich mich zeitweise auch gezählt habe, denen nur hier und da mal ein kleiner Gedanke im Geist aufkeimt, eine Idee die sich so zaghaft ins Bild schleicht, dass man kaum wagt, sie zu ergreifen - geschweige denn niederzuschreiben - weil das kleine bisschen Aumerksamkeit einer Bleistiftspitze alleine schon ausreichen kann, um sie für immer in die Flucht zu schlagen.
Und weil das nun mal so ist, habe ich nie viel geschrieben, noch seltener eine Aufzeichnung zuende gebracht, und so gut wie nie das Bedürfnis verspürt, etwas davon über die Grenzen meiner Notizbücher hinaus entkommen zu lassen.
Aber darum geht es eigentlich gar nicht. Denn egal, ob das Geschriebene vollständig ist, oder Sinn macht, oder auf irgendeine Weise vorzeigbar erscheint, es ist trotzdem unheimlich wertvoll.
Schon das kleinste Fragment, ein paar schnelle Zeilen, vor vielen Jahren dahingekritzelt mit einem schmierigem Kugelschreiber, können die Kraft haben, den Geruch in der Luft am Tag des Aufschreibens zurückzubringen, das Stillstehen der bedeutungslos gewordenen Zeit, die genauen Schattierungen der Wolken, die Richtung aus der das Licht durch die Blätter fällt. Und den Verlust, der ein so großes Loch hinterlassen hat, dass man sich nach all den Jahren immer noch nicht traut, es langsam wieder zu füllen. Alles das, ohne dass die Notiz auch nur eine einzige dieser Tatsachen in Worten festhält.
Und dann gibt es so Leute wie meinen lieben Papa, die der Ansicht sind, seine Gedanken in kleinen Büchern festzuhalten wäre eine absolute Zeitverschwendung.
Die Sache ist nur, hätte ich nicht an diesem einen Tag vor vielen Jahren ein paar schnelle Zeilen mit schmierigem Kugelschreiber in mein kleines Buch geschrieben, dann wäre dieser Tag, an den sich dank der Notiz jeder einzelne meiner Sinne erinnert, heute nicht viel mehr als ein, “da hab ich traurig aus dem Fenster geguckt”. Und vielleicht wäre noch nicht einmal das übrig geblieben.
Was will ich damit sagen?
Es geht gar nicht drum, ob man schreiben kannt, oder glaubt, schreiben zu können. Es geht nur um den Mut, einen Gedanken zu ergreifen und ihn festzuhalten, auch wenn er dabei vielleicht entkommen könnte. Es gibt schon einen gute Grund, warum mir das Schreiben so sehr fehlt.
In alten Notizbüchern wühlen hat doch manchmal seine Vorteile. Denn es kann gut sein, dass man zwischen all der Emoteeniescheiße, der Amateurlyrik und den ganzen Lebensfehleinschätzungen auf einen absoluten Schatz von Zitat des Tages von einer lieben, alten Bekannten herzallerliebsten Freundin stößt.
Bittesehr:
Oh, ich wollte dich nicht diskriminieren! Ich befummel dich später.
Wir halten fest: Notizbücher = gute Idee. Sentimentales Aufbewahren selbiger Notizbücher = Gold wert!
Ein Beitrag aus der Reihe “Susi repariert ihren Laptop.”
Ich erspare euch einfach mal die ganzen technischen Einzelheiten und möchte an dieser Stelle nur eine abschließende Beobachtung festhalten:
Wenn die DVDs seit Wochen nur noch springen und stottern, trägt es nicht unbedingt zur Lösung des allgemeinen Problems bei, das DVD-Laufwerk in blinder Wut aus dem Gehäuse zu reißen.
Es trägt allerdings immerhin zu dem Entschluss bei, dass das Laufwerk nicht mehr zu retten ist und man sich somit auch gleich ein neues kaufen kann.
Wobei, wenn ich mir die ganze Kiste hier so ansehe, könnte es auch direkt mal an der Zeit sein, über einen neuen Laptop nachzudenken.
ARGH. Ich hasse nichtzuendegesehene Filme!
Ein Beitrag aus der Reihe “Arbeit. Fast wie im richtigen Leben”.
Nachmittags halb zwei im Büro.
Kollege* [fragend in die Runde]: “Wie kann ich denn meinen Browserinhalt so weit verkleinern, dass ich einen Screenshot von meiner ganzen Seite machen kann?”
Susi sucht das Screengrab add-on für Firefox raus und emailt dem Kollegen den Link.
Kollege sagt “Danke”. Ignoriert den Vorschlag völlig. Fragt jeden in der Abteilung, wie er seinen Browserinhalt auf Bildschirmgröße verkleinern kann, damit er einen Screenshot machen kann. (Nebenbemerkung: Der zu verkleinernde Frame beinhaltet eine große Menge Text in Standardgröße und misst ca. drei Bildschirmlängen. Screenshot soll dem Kunden zum Korrekturlesen geschickt werden.)
Susi: Facepalm.
Chef schielt zu Susi rüber und lacht sich insgeheim kaputt.
Abteilung zuckt kollektiv mit den Schultern.
Kollege fragt Chef um Rat.
Chef [betont unbeteiligt]: “Nimm das Screengrab add-on für Firefox.”
Susi siegestanzt innerlich.
Kollege klickt sich in zunehmender Verwirrung durch seinen PC. “Ich hab aber kein Firefox.”
Susi: Facepalm².
Chef [mit Facepalm-Unterton] “Hmm. Installier Firefox?!”
Kollege zögert. Grummelt. Tut es.*Aus Rücksicht auf die Ehre des Kollegen werde ich nur mal in einer Fußnote nebenbei erwähnen, dass er Online-Redakteur ist.
So. Und da mach mich nochmal einer blöd an, wenn ich sage, dass Männer alle gleich sind und nicht auf Frauen hören können, obwohl Frauen sowieso immer Recht haben!
Das hier ist übrigens die Aussicht, die sich vor mir erstreckt, wenn ich abends nach der Arbeit vom Büro nach Hause gehe.
Und wenn mein Handy keine so grottenschlechte Kamera hätte, würdet ihr hinten neben dem London noch die Turmspitzenvon Big Ben und Westminster sehen.
Also das ist doch… Tseh. Also nein, nein. Ich fass es nicht.
Da schlägt man ganz unschuldig seine neue Empire auf, und was muss man sehen? Da kommt so ein dahergelaufener Film daher, klaut meine legendäre lila Perücke, und klebt sie einfach so der neuesten ComicBuchFilmSuperheldin auf den Kopf.
Ich fühle mich imitiert und protestiere. Als Entschädigung möchte ich bitte das komplette Hit Girl Outfit. Und ein Filmposter. Jawohl.
Hier zum vergleich:

Beweisstück Nr. 1: Hit Girl

Beweisstück Nr. 2: Hit Susi
Naja. Ich schätze das nächste Halloweenkostüm steht damit schon mal fest.
So. Und jetzt möchte ich bitte Kick Ass sehen. Jetzt sofort!
So als Physiknichtgenie checkt man das mit dem “Wasser dehnt sich beim gefrieren aus” mitunter auch erst mit 25 und nachdem man eine randvolle Tupperdose Suppe ins Gefrierfach gestellt hat.
Soviel also zu meiner Abendessenplanung.
Arbeit macht ja schon mitunter Spaß. Besonders so jetzt, wo ich zu dem Team gehöre, das unsere neueste Online-Zeitschrift entwickelt/gestaltet/produziert.
Da ergeben sich dann nämlich mitunter solche Diskussionen wie diese hier, über das folgende Bildchen, das vorläufig unser vorläufiges Cover zieren soll.
“Do you think anybody will notice if I Photoshop Iceland out to make room for my cover lines?”
So sprach der Chef und tat es.
Ob der anschließende, nachmittagfüllende Computerabsturz nun daran lag, dass die kleinen Sünden gleich bestraft werden, lasse ich dann aber lieber die etwas gläubigeren Schäfchen entscheiden.
Mir fällt grade ein, ich wollte euch noch was zeigen. Denn ich habe ja letzte Woche graduiert. (Absolviert? Einen akademischen Grad erlangt? Was macht man denn da auf deutsch?)
Auf alle fälle habe ich letzten Freitag ganz offiziell meinen Master of Arts von der Uni Sheffield bekommen. Mit den sprichwörtlichen Pauken und Trompeten. Okay, Orgelgeklimper und Englandhymne. Inklusive seltsamem, unförmigem Umhang der einen ständig beim Versuch, von den Schultern zu rutschen, beinahe erwürgt und beklopptem Hut. Mit Deckel. Und Bömmel.
In zeremonielle Gewänder gehüllt schaute ich dann brav zu, wie ungefähr drölfhundertundsiebzehn ehemalige Sheffielder Studenten aufgerufen wurden, um über die Bühne zu laufen und dem Vizekanzler die Hand zu schütteln, und absolvierte selber auch brav meinen Lauf. Der Vizekanzler hatte, so aus der nähe betrachtet, einen noch lächerlicheren Hut auf als ich - inklusive gelbem Doppelbömmel - und so kam ich mir auch direkt nicht mehr so blöd vor. Glücklicherweise habe ich das ganze Theater auch überstanden ohne, wie befürchtet, über meinen Umhang zu stolpern und einem der hohen Herren in den Schoß zu fallen.

Mein Hut, der hat vier Ecken...*sing* Das sind übrigens Felicity und Hayley, zwei der Menschen, die das vergangene Jahr um ganz vieles schöner und erträglicher gemacht haben.
Danach wurde der Tag dann zunehmend besser bei Kuchen und Ratsch mit den anderen Journalisten und unserem Kurspapa auf dem fakultätsinternen Empfang, beim obligatorischen Starbucksbesuch mit meinen lieblings-Magazinies, beim Abendessen mit meinen lieblings-Sheffieldern bei unserem lieblings-Inder, und beim abrocken mit meinen lieblings-Guys with Guitars in meinem lieblings-Irish Pub. Und bei allem war meine liebe Oma mit dabei, die auf ihre alten Tage ein erstaunliches Ausmaß an Energie und eine völlig unerwartete Vorliebe für lautes Geklampfe und Gesinge bewies.
Ein ganz und gar wundervoller Tag also. Und das leidige Thema Uni wäre damit dann auch ein für alle mal erledigt. Wurde auch langsam Zeit.
So. So-hooo.
Es ist mal wieder soweit, und diesmal hoffentlich auch zum letzten mal, dass ich der Universität den Rücken kehre und endlich mal was vernünftiges tue mich auf den Weg in die weite Welt mache.
(Also in der weiten Welt bin ich ja eigentlich schon seit September, aber hier in England halten wir uns bei sowas ja an’s Protokoll und feiern das ganze höchstoffiziell. Und außerdem, eben weil wir in England sind, feiern wir es höchstoffiziell mit, ähm, vier Monaten Verspätung.)
Ich spreche natürlich von der Uni-Abschlussfeier, oder ‘graduation’, wie es hier so schön heißt. Wie sich der/die eine oder andere bestimmt noch erinnert, habe ich meine Abschlussfeier an der Uni Bielefeld ja eher unkonventionell mit einem Patti-Konzert in England gefeiert. Oder zwei Konzerten. Okay, es waren drei.
Diesmal ist mein LieblingsRockstar leider hierzulande nirgends in Sicht. Und deshalb werde ich nachher zurück nach Sheffield fahren, mit meiner lieben extra eingeflogenen Oma im Gepäck, und mir morgen früh einen unförmigen schwarzen Sack umhängen und einen lächerlichen Hut aufsetzen und mich schön brav nach Protokoll, höchstoffiziell und mit Pauken und Trompeten anstatt Motown und E-Gitarren von Academia verabschieden. Ist ja schließlich auch meine letzte Chance diesmal.
Und je nachdem, wie bescheuert genau ich mit dem lächerlichen Hut aussehe, gibt’s danach vielleicht ein Foto für euch. ![]()



