So, nun bin ich offiziell wieder eine Studentin. Und habe heute tatsächlich etwas gefunden, das an deutschen Unis scheinbar wesentlich besser gelöst ist als an englischen. Einschreiben nämlich.
Ich erinnere mich, dass ich damals in Bielefeld nur ein Formular ausfüllen und zusammen mit meinen Zeugniskopien einsenden musste. Dann kam alles per Post und ich konnte mir am ersten Uni-Tag meinen Studentenausweis abholen. Das lief ganz einfach und reibungslos. Heute dagegen habe ich den total Albtraum an sinnloser und darüberhinaus auch noch schlecht organisierter Bürokratie erlebt. In Sheffield geht man nämlich persönlich zum einschreiben. Natürlich nicht, ohne in den Wochen davor schon Unmengen an Formularen ausgefüllt und an die verschiedensten Stellen geschickt und sich darüberhinaus schon mal online für alles mögliche vor-registriert zu haben. Also ging ich heute persönlich zum einschreiben. Natürlich habe ich auch brav einen ganzen Stapel an Formularen und Dokumenten mitgeschleppt, die man laut Anleitung für die Einschreibung (ja, es kam tatsächlich ein ganzes Handbuch dafür per Post…) unbedingt mitbringen musste. Der Termin für meine Buchstabengruppe war 12 bis 13 Uhr, also war ich um 12 da und stellte mich in die Reihe wartender Studenten (deren Anfang nicht mal zu erahnen war). Um 14 Uhr war ich allerdings gerade mal bis in Sichtweite des Gebäudes vorgerückt, in dem wir uns alle zur Einschreibung einfinden sollten. Und eigentlich grenzt es direkt an ein Wunder, dass ich mich um 15 Uhr komplett eingeschrieben und für den medizinischen Dienst registriert auf den Weg nach Hause machen konnte. Allerdings lag das auch nur daran, dass ich mich für das medizinische Gedöns auch schon vorher online vor-registriert hatte. Ansonsten hätte ich mit den meisten anderen nach dem Einschreiben nochmal ungefähr eine Stunde lang auf die Bearbeitung warten müssen. Und von dem ganzen Stapel Papierkram, den wir ja unbedingt mitbringen sollten, wollten sie genau ein Formular sehen. Zusammenfassend gesagt heißt das also: Wer sich seit Wochen organisiert und an alles gedacht hat, schafft es innerhalb von drei Stunden durch dein Einschreibeprozess. Wer auch nur irgendeine Kleinigkeit verpasst hat, steht dort ungefähr fünf Stunden rum. Wenn man ankommt und sich in die Reihe stellt, erzählen sie einem übrigens, dass man in spätestens einer Stunde wieder draußen ist.
Verborgen bleibt mir immer noch der Sinn hinter dem ganzen Aufwand. Das eine Formular und die Unterschrift für den medizinischen Dienst hätten sie genauso gut per Post entgegen nehmen können. Und vielleicht wäre das sogar unkomplizierter gewesen, als eine Turnhalle voller Computerplätze einzurichten, hunderte von Hilfskräften, die sich dann doch nicht auskennen, für die Einschreibung anzulernen und eine Woche lang jeden Tag ein paar tausend Studenten von A nach Z und über Y zurück nach B durch das Sportzentrum zu hetzen. Und mir würden jetzt die Füße nicht weh tun. Und Kopfschmerzen hätte ich auch nicht. Und ich hätte nicht den Activities Fair verpasst, der (intelligenterweise?!) zeitgleich zur Einschreibung statt fand (und natürlich genau in den Minuten zuende ging, als ich mich endlich aus der Turnhalle schleppte).
Wenn ich drüber nachdenke, war die Uni Bielefeld gar nicht so übel. Also Sheffield ist natürlich toller. Bestimmt. Ab morgen dann.
Und wer denkt, Deutschland wäre schlimm von wegen Bürokratie und so, der möge sich einfach mal an einer englischen Uni einschreiben!

